Achtsamkeit? Warum es sich gerade für Führungskräfte lohnt, sich damit zu beschäftigen

Melanie Kohl

Melanie Kohl

Coach | Consultant | CEO

Achtsamkeit wird immernoch in vielen Bereichen mit Esoterik in Verbindung gebracht, dabei beschreibt sie lediglich die allgemein menschliche Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Handlungen zu richten.

Es gibt verschiedene Gründe, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen, besonders für den BusinessAlltag: Resilienz, Entspannung, Produktivitätssteigerung, Konzentration, Kreativität, Persönlichkeitsentwicklung, Verbesserung der Schlafqualität und nicht zuletzt ein seriöseres Auftreten.
Nicht ohne Grund hat Achtsamkeit bereits seit geraumer Zeit Einzug in die Wissenschaft erhalten.

Ursprünglich kommt der Begriff tatsächlich aus der buddhistischen Lehre. Im Pali heißt Achtsamkeit Sati / Samma Sati und bedeutet so viel wie „richtige Achtsamkeit“ oder „rechte Bewusstheit“. Sati beschreibt die Fähigkeit des Geistes, mit der Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment präsent zu sein und etwas im Gedächtnis zu behalten. Ziel ist es, eine Kultur des Bewusstseins schaffen, um Leiden zu beenden.

Die wissenschaftliche Definition nach Jon Kabat-Zinn zielt darauf ab, dass Achtsamkeit eine bestimmte Ausrichtung der Aufmerksamkeit ist, die mit 3 Eigenschaften beschrieben werden kann: sie ist absichtsvoll, nicht wertend und bezieht sich auf den gegenwärtigen Moment. Wir entscheiden uns also bewusst dafür, im gegenwärtigen Augenblick präsent zu sein und dabei nicht zu bewerten, was passiert = bewusstes, nicht bewertendes Wahrnehmen dessen, was jemand ganz subjektiv in diesem Moment erlebt. Dazu zählen Körperempfindungen und andere Sinneseindrücke wie Gedanken, Erwartungen, Vorstellungen, Erinnerungen und Gefühle, sowie Dinge die um uns herum passieren.

Wir versuchen, die Realität des gegenwärtigen Augenblicks zu akzeptieren. Das ist schon der Schlüssel des Ganzen – wenn wir hinnehmen, was nicht mehr zu ändern ist, lassen sich künftige Entwicklungen viel zielführender gestalten. Eine Haltung der Neugierde und Offenheit ist unterstützend, um nicht zu urteilen und eine geistige Basis für Verständnis und Akzeptanz zu schaffen.
Oder anders gesagt – Sie bildet eine perfekte Grundlage für zielführendes Handeln und Kommunikation. Was für den Berufsalltag durchaus sehr hilfreich sein kann.

Der Unterschied zwischen Achtsamkeit und Konzentration ist recht simpel – beiden gemein ist die Fokussiertheit, also die Aufmerksamkeit zu bündeln und absichtsvoll zu handeln. Bei der Konzentration steht allerdings meistens eine Haltung im Mittelpunkt, während es bei Achtsamkeit um bloße Wahrnehmung und Präsenz geht. Sie ist wie gesagt ohne Wertung. Das wiederum ermöglicht es dem Denken, auch mal die Richtung zu wechseln und damit in manch einer Situation im wahrsten Sinne des Wortes die Kurve zu kriegen.

Achtsame Momente erleben wir meistens, wenn wir uns wohlfühlen und mal loslassen können. Beim Joggen nach der Arbeit zum Beispiel oder bei einem Spaziergang im Wald oder am Strand, bei dem die Gedanken an Zukunft und Vergangenheit verstummen. Wir nehmen Geräusche, Gerüche, vielleicht unseren Atem wahr oder den bloßen Anblick unserer Umgebung, vielleicht sogar Körperempfindungen wie den Wind, der uns um die Ohren weht. In diesem Zustand ist es oft leicht, körperliche Anspannungen loszulassen und zur Ruhe zu kommen. Genau diese Ruhe wollen wir kultivieren – sie auch in stressigen Situationen jederzeit abrufen und bewahren können. Denn sie ermöglicht es uns, klare Gedanken zu fassen, etwas Ordnung ins Chaos zu bringen, gelassener zu reagieren und vieles mehr. Und wie wir aus anderen Bereichen des Lebens wissen: Übung macht den Meister.

Die bekanntesten Übungen sind die RosinenÜbung, der BodyScan oder Atemmeditationen. Alle sehr einfach und letztere zwei sogar still und heimlich jederzeit durchführbar, ohne dass jemand einen in die esoterische Ecke zu schieben droht. Sie ahnen nicht, wie viele Menschen diese Übungen mehrmals täglich praktizieren, sich jedoch nicht trauen, davon zu berichten. Wie dem auch sei… Hauptsache, sie tun es. Im TopManagement gibt es kaum noch Menschen, die nicht spirituell veranlagt sind. Wobei Achtsamkeit ja erst einmal noch nichts mit Spiritualität zu tun hat.
Einzelne Übungen stellen wir Ihnen in separaten Beiträgen vor. Sie finden natürlich auch eine Menge Material dazu über die bekannten Suchmaschinen dieser Welt.

Mit ein wenig Übung entwickelt sich Achtsamkeit von der Trainingseinheit zur bewusst gewählten Lebensweise. Sobald Sie sich darauf einlassen (was manchmal eine Weile dauert) und die positiven Effekte am eignen Leib spüren, werden Sie sie nicht mehr aus ihrem Leben wegdenken können. Diese Form der Aufmerksamkeit hat eben einen positiven Einfluss darauf, wie Sie Ihren Alltag gestalten, wie Sie empfinden und reflektieren und wie Sie mit anderen Menschen umgehen. Besonders letzteres ist in Führungspositionen ein wesentlicher Faktor für erfolgreiche Gespräche. Wenn Sie es schaffen, sich auf Ihren Gesprächspartner einzulassen, offen für neue Informationen zu sein, wahrzunehmen, was Ihr Gegenüber Ihnen, abgesehen von seinen Worten, noch so alles mitteilt und Sie durch Ihre offene Haltung beginnen, Zusammenhänge besser zu verstehen, wird lösungsorientiertes Kommunizieren und Handeln zum Kinderspiel. Mal ganz abgesehen davon, dass Sie mit ein wenig Übung irgendwann nichts und niemand mehr aus der Ruhe bringen kann…

Zusammengefasst lässt sich also sagen:
Achtsamkeit ist eine grundlegende Übung der Geistesschulung, die jedem Menschen, unabhängig von Weltanschauungen und Überzeugungen zur Verfügung steht.
Probieren Sie es einfach mal aus – wenn nötig auch erstmal still und heimlich.